Buchrezension „Olga Benario – ein Leben für die Revolution“ von Ruth Werner (1961)

Der Name Olga Benario wird heutzutage von vielen jungen Kommunist:innen wiederentdeckt, und das aus gutem Grund. Die Lebensgeschichte der eigentlich weltbekannten Kommunistin aus München, welche ihr Leben dem Kampf gegen den deutschen Faschismus und für die internationale sozialistische Revolution widmete, steckt voller Hoffnung. Voller inspirierender und manchmal auch belustigender Momente. Gleichzeitig lässt sich an ihr die volle Grausamkeit und Menschenverachtung des Faschismus, ob in Deutschland oder in Olgas zeitweise zweiter Heimat Brasilien, für Leser:innen erahnen. Die Autorin von Olgas Biographie, Ruth Werner, ist selber eine Kommunistin mit ereignisreicher und interessanter Lebensgeschichte. Es reicht hier aber anzumerken, dass die ursprünglich 1961 in der DDR veröffentlichte Biographie dort weite Verbreitung und Bekanntschaft gefunden hat. In der BRD hingegen sollte Olga Benario lange Zeit unbekannt bleiben. Als jüdisch-stämmige Kommunistin war ihr Widerstand gegen den Hitlerfaschismus der postfaschistischen Bundesrepublik wohl eher lästig als erinnerungswert. Erwähnenswert ist, dass Olga unter ihrem ganzen Namen, Olga Benario Prestes, global und vor allem auch in Brasilien große Bekanntschaft erlangt hat und auch heute noch genießt.

Das Buch ist leicht zugänglich, da in Romanform geschrieben und liest sich durchaus spannend. Auch wenn sich die Autorin hier einiger stilistischer Mittel bedient, kann man sicher sein, dass Olgas Leben auch so mehr als aufregend und ereignisreich gewesen ist. Die Biographie erzählt von ihrem Aufwachsen in München und später in Berlin. Von ihrer Zeit beim Kommunistischen Jugendverband Deutschlands, der Jugendorganisation der KPD in den 1920ern und 30ern. Sie erzählt von Olgas Reise und Ausbildung in der Sowjetunion, davon wie sie sich freiwillig dafür entschied ihr Leben in den Dienst der internationalen sozialistischen Revolution zu stellen, in dem sie in ein fremdes Land ging und dort Seite an Seite mit einheimischen Revolutionär:innen ihr Leben riskierte. Doch erzählt der Roman, ohne voyeuristisch oder übertrieben fetischistisch mit den grausamen Details zu sein, was der Faschismus für seine Feinde bereithält. Spätestens ab der zweiten Hälfte ist dieses Buch nichts für Menschen mit schwachen Nerven, da es sowohl von Folter, Mord und sexualisierter Gewalt berichtet. Ein großer Teil der Biographie widmet sich Olgas Zeit im brasilianischen, später dann im deutschen faschistischen Gefängnis, und letztendlich im Konzentrationslager bis hin zu ihrer Vergasung. In dem Sinne ist es kein schönes Buch, obwohl es durchaus auch Humor und tiefe Beschreibungen von Olgas Gefühlswelt enthält. Im Kern ist es ein sehr ernstes Buch, das eine wahre Begebenheit erzählt und als Warnung vor den faschistischen Gräueltaten, aber auch als auch Aufruf zum unerbittlichen Kampf gegen sie fungieren soll.

Politisch ist sicherlich interessant, dass Olgas jüdische Herkunft in dem Roman fast keine Rolle spielt (außer für die Nazis). Ob dies nun der Einschätzung der Autorin entspringt, oder ob dieser Faktor für Olgas Leben wirklich so sekundär war, lässt sich nicht genau nachvollziehen. Ebenfalls sollten Leser:innen im Hinterkopf behalten, dass auch diese Biographie in einem gesellschaftlichen Kontext entstand. An manchen Stellen des Buches werden Olgas politische Ideen so wiedergegeben, wie sie gut in die politische Linie des Ostblocks in den 1960er Jahren passen. Ob dies nun wirklich die Ideen von Olga Benario waren, lässt sich ebenfalls nicht gänzlich nachvollziehen. Trotz einiger kleiner Stellen im Buch wo man sich fragen kann, ob hier eine Anpassung an die zunehmend weniger revolutionären Ansichten der SED vorgenommen wurden, bleibt der Grundtonus der Biographie revolutionär und optimistisch, und somit unbedingt lesenswert. Speziell wiederkehrende Aussagen bezüglich des Scheiterns eines Bündnisses zwischen KPD und SPD zur Verhinderung des Faschismus, passen gut in die eher fragwürdigen Analysen der Nachkriegszeit. Auch lassen sich an einigen Stellen aus kommunistischer Sicht fragwürdige Ansichten bezüglich der Rolle von Frauen und romantischen Beziehungen finden. Im Allgemeinen kann man sagen, dass das Buch vor allem mit Olga selbst, aber auch einigen ihrer Mitstreiterinnen, viele revolutionäre und vorbildhafte Frauen liefert. Dies steht dann jedoch im Widerspruch zu manch eher konservativ anmutenden Aussagen in dem Buch.

Die Neuausgabe des Zambon Verlages enthält zudem ein interessantes Interview mit dem Regisseur Galip Iyitanir über seinen 2004 erschienenen Dokumentarfilm „Olga Benario – ein Leben für die Revolution“. In diesem beschreibt er unter anderem die Versuche der brasilianischen Filmindustrie die dort berühmte Ikone in Hollywood-Manier zu entpolitisieren. Auch das bietet einen spannenden Einblick in den aktuellen Umgang mit dem Erbe Olga Benarios.